Juni 11, 2013

Unbekannt verzogen


Erster Satz

"Carol hätte gerne eine Krankheit."

Inhalt

Carol Cooper ist verzweifelt und frustriert. Sie lebt mit ihrem jammernden und weinerlichen Mann Bob und ihrer schlechtgelaunten und von ihr entfremdeten Tochter Sophie in Croydon, England und geht einem unbefriedigenden Bürojob nach. Sie würde gerne aus ihrem alten, tristen Leben ausbrechen und in Athen leben, wo sie früher einmal glücklich war. Doch das Schicksal macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Bei ihrem Mann wird Hodenkrebs entdeckt. In dieser Situationen kann Carol ihn unmöglich verlassen. Also muss sie ihr Leben weiterhin wie gehabt in Croydon fristen. Ihre beste Freundin Helen rät ihr daher sich ihren Frust in Form von Briefen von der Seele zu schreiben.

Anfangs wenig begeistert, fängt Carol doch an Briefe ans "Universum" zu schreiben. Und genau diese Briefe trudeln bei dem, kurz vor der Pension stehenden, Postboten Albert ein. Albert ist einsam und verwitwet und lebt mit seiner selbstmordgefährdeten Katze Gloria in einer kleinen Wohnung. Bald schon möchte Albert die geheimnisvolle "C" persönlich kennenlernen und macht sich auf die Suche nach ihr...

Persönliche Meinung

"Unbekannt verzogen" ist eines der ungewöhnlichsten Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Angefangen von der außergewöhnlichen Story bis hin zu der thematischen Mischung aus depressiver, melancholischer Tragik und schwarzem, britischem Humor.

Am Anfang war es gar nicht so leicht für mich, in das Buch hinein zu finden. Da Carol, die Hauptprotagonistin, mir nicht wirklich sympathisch war und ich mich auch nicht in sie und ihre Situation hineinversetzen konnte. Das änderte sich dann aber, denn je mehr ich von ihr erfuhr, desto sympathischer wurde sie mir. Der zweite Hauptprotagonist ist Albert. Mit Albert konnte ich noch weniger anfangen als mit Carol. Vielleicht weil er schon ein gewisses Alter erreicht hat und es dadurch noch schwieriger war, mich in ihn hineinzuversetzen. Aber zum Glück änderte sich dies, je mehr ich las. Carol konnte ich zwar nicht immer verstehen und letztendlich war sie für ihr unglückliches Leben selbst verantwortlich, aber sie war mir trotz allem sympathisch. Albert lebte ein typisches, einsames "Rentnerleben", dass erst dank Carols Briefen neuen Schwung erfuhr.

Das Buch lässt sich am besten als Tragikomödie beschreiben. Wobei ab der zweiten Hälfte mehr die Tragik überwiegt. Das Erzähltempo ist sehr langsam und gemächlich, nur gegen Ende wird es ein wenig rasanter. Das Zentralthema ist ganz klar Einsamkeit. Die Charaktere sind einsam, unglücklich und unzufrieden mit sich und ihren Leben. Hin und wieder wird die Geschichte durch ein wenig Humor aufgelockert.

Das Ende wurde, im Vergleich zum restlichen Tempo, sehr schnell und kurz präsentiert. Und auch das es ein offenes Ende ist, gefällt mir in diesem Fall nicht so gut.

Die Message des Buches lautet ganz klar, dass man seines eigenen Glückes Schmied ist und etwas aus seinem Leben machen sollte. Sodass man nicht eines Tages aufwacht und merkt, nie wirklich gelebt zu haben.


Vielen Dank an Lovelybooks und den Insel Verlag für die Bereitstellung dieses Buches!

Bewertung





Deutscher Titel: Unbekannt verzogen
Originaltitel: Lost and Found
Originalsprache: Englisch
Autor: Tom Winter
Erschienen: 2013
Seitenanzahl: 281
Verlag: Insel
Genre: Drama, Humor, Roman


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