Mai 03, 2015

Neon Genesis Evangelion


Inhalt

Seit dem Jahr 2000 hat sich die Bevölkerung der Erde etwa halbiert. Grund dafür war ein Meteoriteneinschlag in der Antarktis, dadurch ist die Erdachse gekippt, wodurch die Polkappen geschmolzen sind und der Meeresspiegel um 60 Meter gestiegen ist. Auf diesen Schock folgten Kriege und Wirtschaftskrisen, von denen sich die Erde bis heute nicht erholt hat. So jedenfalls die offizielle Version der Politiker. In Wirklichkeit war diese Katastrophe das Werk von Außerirdischen, den sogenannten "Engeln", die bereits in der Antike in hebräischen Schriften erwähnt wurden. Heute, im Jahr 2015, tauchen diese Wesen erneut auf, und greifen die Stadt Tokyo-3 an.

Doch die Menschheit hat in der Zwischenzeit nicht geschlafen. Eine Geheimorganisation mit dem Namen NERV hat riesige Kampfroboter, die sogenannten "Evangelions" entwickelt, die den Engeln Paroli bieten können. Allerdings können diese Maschinen nur von Menschen gesteuert werden, die eine bestimmte geistige Eigenschaft besitzen und exakt neun Monate nach dem Einschlag geboren wurden. Einer von ihnen, es gibt auf der ganzen Welt nur eine handvoll Menschen, die in dieses Raster passen, ist Shinji, dessen Vater Leiter von NERV ist. Ohne vorheriges Training muß er einen dieser riesigen Roboter steuern – die Steuerung erfolgt durch Gedankenkraft – und die Sache läuft auch recht gut. Doch dieser Angriff war erst die erste Attacke der Engel, und niemand weiß, wie viele es von ihnen gibt oder wann sie wo wieder zuschlagen werden, ja man kennt noch nicht einmal ihre Fähigkeiten, denn jeder Engel hat andere Eigenschaften... (© Moviepilot)

Persönliche Meinung

Wir schreiben das Jahr 2015 und was wäre da passender, als ein Anime der genau in dieser Zeit spielt? Glücklicherweise hat unser 2015 aber nichts mit dem 2015 aus "Neon Genesis Evangelion" zu tun.

"Neon Genesis Evangelion", oder kurz NGE oder auch EVA genannt, gehört, trotz der sehr speziellen Thematik, zu den beliebtesten und bekanntesten Animes überhaupt und ist wohl den meisten Animefans ein Begriff.

Ich bin relativ früh mit der Serie in Kontakt gekommen weil es der Lieblingsanime meiner Cousine war. Ich war um die 11 Jahre alt, als ich NGE zum ersten Mal sah. Ich kann mich nicht erinnern, wie viel ich damals sah, aber es dürften nicht mehr als 2 Folgen gewesen sein. Ich verstand nicht wirklich worum es ging (u.a. auch weil Originalton und untertitelt) und fand keinen Zugang und verlor relativ schnell das Interesse und beschäftigte mich nicht mehr mit NGE.

Jetzt mit bald 26 Jahren sieht das natürlich anders aus und ich wollte NGE unbedingt einmal richtig und von Anfang bis Ende sehen.

NGE kann man schwer in Worte fassen. Es ist ein sehr spezieller und besonderer Anime. Er beinhaltet schwierige Themen wie psychische Probleme, menschliche und nichtmenschliche Existenzen, den Sinn des Lebens, Gewalt, Trauer, Leben und Tod.

Ich habe mit den Jahren ein Faible für Psychologische Animes entwickelt und NGE ist wohl einer der psychologischsten und philosophischsten Animes überhaupt. Weitaus mehr als ein typisches Menschen-kämpfen-gegen Monster-Mecha-Actionabenteuer. Nach der ersten Folge hätte man nie erahnen können, in welche Richtung sich der Anime noch entwickelt.

Was die Gewalt angeht, steigt der Pegel von Folge zu Folge an. Es wird von Folge zu Folge blutiger und brutaler. Besonders die Folgen "Im Zwiespalt" und "Introjektion" haben es, dahingehend, in sich. Neben der Physischen Gewalt spielt auch die Psychische eine große Rolle. Depressionen, Minderwertigkeitskomplexe, Mentale Störungen, Selbsthass, Beziehungsunfähigkeit, Elternkomplexe und Verlustängste sind einige der immer wieder vorkommenden Probleme in der Serie. Eigentlich keine massentauglichen Themen, deshalb bin ich schon ein wenig erstaunt, dass NGE weltweit so erfolgreich war und immer noch ist.

Die Serie ist meist deprimierend und traurig und die Geschichte und ihre Charaktere zu verfolgen ist fast schon mehr eine Belastung als ein Vergnügen. Bei NGE handelt es sich definitiv um einen Anime wie kein anderer. Erfinder, Drehbuchautor und Regisseur Hideaki Anno litt während der Entstehung des Animes unter schweren Depressionen und dies erklärt wohl auch warum NGE so deprimierend und düster geworden ist.

Anfangs ist NGE teilweise auch richtig witzig, was ich gut finde. Es lockert die sonst ernste und depressive Stimmung ein bisschen auf. Die meisten witzigen Situationen entstehen natürlich dank Misato, Rei, Shinji und seinen Freunden Toji und Kensuke. Das ist wohl auch mit ein Grund warum sie alle zu meinen Lieblingscharakteren gehören. Asukas Vergleiche zwischen Japan und Deutschland waren auch witzig.

Die Beziehung zwischen Shinji und Misato hat mir am besten gefallen. Einfach weil beide so komplette Gegensätze sind aber es trotzdem schaffen, irgendwie miteinander klar zu kommen und sich mögen. Außerdem hab ich das Gefühl, dass Shinji eigentlich nur Misato wirklich am Herzen liegt. Sie ist wie eine große Schwester, Mutter und Freundin zugleich für ihn. Neben Shinji und Misato sind mir auch Rei und Kaji ans Herz gewachsen. Vollkommen und ausnahmslos unsympathisch dagegen waren mir Gendo Ikari und Asuka Langley Soryu.

Ich finde es gut, dass Shinji so ein totaler Antiheld ist und nicht, wie man es sonst so sieht und  liest, mutig, stark, selbstlos und alles könnend. Er ist definitiv sympathisch aber eben nicht nur. Bei NGE wurde überhaupt darauf geachtet, die Charaktere nicht so eindimensional zu machen. Leider gilt dies nicht für Asuka und Ikari. Ich verstehe gar nicht so recht wieso, aber beide sind, zumindest für mich, absolut und uneingeschränkt unsympathisch. Er der kalte, emotionslose und unbarmherzige Erzeuger von Shinji und sie die verwöhnte, egoistische, hasserfüllte Hardcorezicke.

Mit Ikari konnte ich ja noch leben aber Asukas Sinn und Zweck in der Serie verstehe ich einfach nicht. Zickig ok, aber sie ist einfach zu krass unsympathisch und ich konnte keine einzige gute Seite an ihr entdecken. Und damit macht sie, meiner Meinung nach, viel in der Serie kaputt. Ikari übernimmt ja schon den Arschlochpart und mit Asuka dazu ist es einfach zu viel Negativität. Außerdem finde ich es nicht gerade realistisch, dass ein vierzehnjähriges Mädchen so extrem drauf ist...

Die deutsche Synchron ist, welch Überraschung, nicht die beste und kann in keinster Weise mit der japanischen mithalten. Was die Japaner hier abliefern ist an Gefühl und Hingabe kaum zu überbieten, vor allem bei den Kämpfen. Im Original klingen die Charaktere noch wesentlich trauriger und depressiver als im Deutschen, im Deutschen klingt Shinji viel zu selbstbewusst und motiviert. Außerdem wird Asukas Name falsch ausgesprochen, statt Aska heißt sie im Deutschen Asuka.

Es ist unmöglich alles zu verstehen, wenn man NGE zum ersten Mal sieht. Vor allem untertitelt. Aber auch synchronisiert lässt sich wohl eine zweite Sichtung kaum vermeiden. NGE scheint einer dieser Animes zu sein bei denen man erst nach mehrmaligem anschauen alles verstehen und aufnehmen kann.


Die letzte Folge unterscheidet sich stark vom Rest der Serie. Bilder spielen hier so gut wie keine Rolle mehr, stattdessen setzt man hauptsächlich auf Worte und Gespräche. Es gibt ein alternatives Ende, welches in dem Film "End of Evangelion" gezeigt wird. Da viele Fans unzufrieden mit dem doch sehr abstrakten Serienende waren, wurde Jahre später ein alternatives Ende produziert. Sowohl Film- als auch Serienende haben ihre tollen Momente, so dass im Endeffekt jeder selbst wählen sollte, mit welchem Ende er persönlich mehr anfangen kann.

Bewertung




Deutscher Titel: Neon Genesis Evangelion
Originaltitel: Shin Seiki Evangerion
Originalsprache: Japanisch
Erschienen: 1995
Laufzeit: 25 Minuten pro Folge
Episoden: 26
Darsteller: Shinji Ikari, Rei Ayanami, Asuka Langley Soryu, Misato Katsuragi, Gendo Ikari
Regisseur: Hideaki Anno
Genre: Sci-Fi, Action, Drama, Fantasy




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