Erster Satz

„Ein Buch über japanische Trickfilme – üblich wäre wohl, dass ich im Vorwort meine eigene erste Begegnung mit dem Genre beschreibe.“

Inhalt

In den letzten 50 Jahren haben sich Animes in Deutschland als wichtiger Teil der Popkultur etabliert und begeistern Fans auf der ganzen Welt. Dieses Buch präsentiert die besten 70 Animes von Astro Boy über Naruto bis hin zu One Piece und Pokémon. Drei Anime-Experten stellen die beliebtesten Serien mit spannendem Hintergrundwissen und spektakulären Illustrationen vor. (© Klappentext)

Persönliche Meinung

Japanime ist ein Buch für alle, die eine nostalgische Zeitreise zu den Anfängen von Animes bzw. Animeserien machen wollen. Angefangen 1963 mit Astro Boy und Captain Future über Dragonball Z und Ranma ½ bis hin zu One Piece und Attack on Titan.

Als Millenial bin ich ja der Meinung, dass die besten Animes in den 80ern und 90ern entstanden sind. Fast alle meine Lieblingsanimes sind auch aus den 90ern. Das heißt natürlich nicht, dass es heutzutage nicht auch noch gute Animes gibt, denn die gibt es. Aber insbesondere die 90er waren schon eine andere Zeit und hatten eine ganz andere Wichtigkeit für Animes und auch Mangas. Was auch dieses Buch zeigt. Denn der erste, große Animeboom außerhalb Japans fand in den 90ern statt und genau dieser Hype ist auch der Grund, warum wir heute alle Animes kennen und lieben.

Die ersten Animeserien schafften es allerdings schon in den 60ern und 70ern in den Westen. Zum Beispiel Speed Racer 1967, die erste Animeserie die je im deutschen Fernsehen lief. Oder Europäisch-Japanische-Koproduktionen wie Calimero 1972, Wickie und die starken Männer 1974, Barbapapa 1974, Die Biene Maja 1976, Heidi 1977 und Sindbad 1978.

Inhaltlich basierten die meisten von ihnen auf europäischen Kinderbüchern und ließen erst mal nichts „typisch Japanisches“ erkennen. Außer vielleicht das Einblenden der Namen von Regisseuren, Produzenten und weiteren Mitarbeiter*innen. So beliebt die Serien auch waren, führten sie noch nicht zu einem großen Animehype und waren auch noch nicht im Mainstream angekommen. Auch Animes wurden sie noch nicht genannt sondern, wie alle gezeichneten Serien, Cartoons bzw. Zeichentrickserien.

Dies änderte sich erst in den 80ern und vor allem 90ern, wo, dank des Privatfernsehens, erstmals die meisten Animeserien im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurden. Anfangen mit Serien wie Alfred J. Kwak 1990, Die Königin der tausend Jahre 1991, Georgie 1992, Kickers 1992 über Mila Superstar 1993, Die kleine Prinzessin Sara 1993, Eine fröhliche Familie 1994, Wunderbare Pollyanna 1994, Hikari – Die kleinen Superstars 1994, Lady Oscar 1995, Ein Supertrio – Cat’s Eye 1995, Hallo Kurt! 1995 bis hin zu Sailor Moon 1995, Nadia und die Macht des Zaubersteins 1996, Missis Jo und ihre fröhliche Familie 1996, Hanni und Nanni 1997, Tico – Ein toller Freund 1998, Pokémon 1999 und Dragon Ball 1999.

Japanime setzt den Fokus auf Animes, die im Fernsehen gezeigt wurden. Genauer gesagt auf Animeserien. Die einzige Ausnahme sind die Dragon Ball Filme. Die Zeitreise beginnt, wie gesagt, 1963 mit Astro Boy und endet 2018 mit Radiant. Daneben gibt es auch noch die Spezialthemen bzw. Spezialkapitel Anime und Zensur, Die Darstellung von Frauen in Anime, Adaptionen – Die die Kunst der Enttäuschung, Nicht für Geld und gute Worte, Tipps für den nächsten Filmabend, Animes in Deutschland und zum Abschluss noch ein Glossar wo beliebte Genre wie Shōnen, Shōjo und Seinen näher erklärt werden, ebenso Begriffe wie Furyō, Nekketsu und Otaku.

Aufgeteilt ist Japanime in 5 große Oberkapitel bzw. Oberthemen – Die Pioniere unter den Serien, Die goldenen 1980er-Jahre, Die 1990er-Jahre: Anime im Wandel – Von Evangelion bis Pokémon, Die 2000er-Jahre: Horror, Krimi & Co. neu interpretiert und Dragon Balls Erben – das neue goldene Zeitalter des Shōnen. Jedes Oberthema stellt 12+ Animes näher vor.

Die einzelnen Animes werden mit einer kurzen Inhaltsangabe, Erstausstrahlung in Japan und Deutschland, Manga- bzw. Videospielvorlage und dem Studio bzw. Publisher näher vorgestellt. Danach folgt entweder etwas zur Vorlage, zu den inhaltlichen Themen, zur Entstehungsgeschichte oder Popularität in- und außerhalb Japans. Manchmal gibt es auch Besonderheiten wie Anekdoten oder die persönliche Meinung von Le Chef Otaku (französischer YouTuber). Besonders hierbei ist die unterschiedliche Länge der Texte und die Anzahl an verwendeten Fotos. Manche Animes haben zwei volle Seiten, manche nur eine. Manche haben sechs verschiedene Fotos, andere wiederum nur zwei. Und das gilt nicht nur für die älteren und weniger bekannten Animes, sondern z.B. auch für Meilensteine wie Nadia und die Macht des Zaubersteins, welcher nur eine kurze Inhaltsangabe, einen ebenso kurzen Abschnitt über die Ausstrahlung sowie drei Bilder besitzt. Man hätte soo viel mehr über den Anime selbst, die Charaktere und Produktionsstudio Gainax schreiben können… Und Animes wie Candy Candy und Fullmetal Alchemist haben kein einziges Bild! Die Animeserie Goldorak wiederum wurde mit über zehn verschiedenen Bildern illustriert, obwohl sie in Deutschland sehr unbekannt ist…

Damit kommen wir auch zum nächsten Punkt. Japanime ist ein französisches Buch. Geschrieben von den Journalisten Clément Cusseau und Sébastien Abdelhamid. In Frankreich liefen wesentlich mehr Animes im Fernsehen als in Deutschland. Was auch dieses Buch deutlich zeigt. Also werden hier auch Animes vorgestellt, von denen die meisten in Deutschland noch nie gehört haben, welche in Frankreich wiederum aber ein großer Erfolg waren.

Die Texte sind hauptsächlich also Übersetzungen von Cusseau und Abdelhamid. Jeder Text hat aber auch Anmerkungen wann die Animes in Deutschland liefen, z.B. wann genau bei RTL 2. Es gibt also auch immer wieder „deutsche Einschübe“. Insgesamt fügen sich diese aber nahtlos in den Originaltext ein.

Japanime ist insgesamt informativ, stellt viele, verschiedene Animes vor, mir gefällt der Aufbau von Text und Bildern und Spezialkapitel wie Anime und Zensur und Die Darstellung von Frauen in Anime.

Weniger gut gefällt mir, dass die Animes unterschiedlich lange bzw. ausführliche Texte haben. Bei sehr alten Animes ist das ok, aber das Beispiel Nadia zeigt, dass es auch „große“ Animes betrifft. Ebenso die Bilder. Hier hätte ich eine einheitliche Anzahl, z.B. 4, besser gefunden. Die unterschiedliche Anzahl fand ich nicht so gut und auch die Bildqualität schwankt. Die Bildqualität war bei einigen Animes ziemlich schlecht – niedrig und verschwommen. Und ich meine jetzt nicht welche aus den 70ern sondern z.B. Pokémon, Sailor Moon und Dragon Ball GT. Die Bildqualität bei z.B. Fairy Tale und My Hero Academia wiederum war sehr gut. Und die Seitenzahlen waren mega klein und links an den Rand gequetscht, wo man sie auf den ersten Blick gar nicht erkennt.

Der Dorling Kindersley Verlag achtet wie kaum ein anderer Verlag auf schöne Fotos und Buchcover. 💖 Gerade bei Sachbüchern finde ich das sehr wichtig. Und als visueller, „filmophiler“ Mensch sowieso.  Japanime ist, wie die meisten DK Bücher, ein 21.4 x 2.1 x 27.2 cm großes und breites, gebundenes Buch mit Hardcover.

Fazit: ein insgesamt lesenswertes Buch, mit ein paar Schwächen.

Vielen Dank an Dorling Kindersley für die Bereitstellung dieses Buches. 💖

Deutscher Titel

Japanime – Die größten Animes aller Zeiten

Originaltitel

Japanime

Originalsprache

Französisch

Autoren

Clément Cusseau & Sébastien Abdelhamid

Erschienen

2021

Seitenanzahl

192

Verlag

Dorling Kindersley

Genre

Sachbuch

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